La Gomera
Die Insel La Gomera ist Bestandteil des kanarischen Archipels und ist mit ihrer fast kreisrunden Form und einer Größe von 369 km2 die zweitkleinste Insel. Innerhalb des insularen Territoriums liegt sie neben Teneriffa, von der sie an der nahesten Stelle knapp 28 km trennen.
Geologisch gesprochen ist sie mit 2 Millionen Jahren seit ihrem letzten Vulkanausbruch die älteste Insel des Archipels. Dadurch verfügt sie über einige Charakteristika, die in der Hauptsache durch Erosion entstanden sind, wie spektakuläre Schluchten, beeindruckende vulkanische Gebilde, die an der Oberfläche ausgestellt sind, und Steilküsten von einzigartiger Schönheit. In ihrem Zentrum erhebt sich der Alto de Garajonay, mit 1.487m der höchste Punkt der Insel, der seinen Namen dem ihn umgebenden Nationalpark verdankt, der der Insel einen grünen Teppich beschert, der ca. 11% des Inselgebiets ausmacht.
Das Inselklima bietet zwei sehr unterschiedliche Zonen: Nord und Süd. Der nördliche Teil der Insel, der ehemals stärker bewohnt war, und in dem sich die Gemeinden Hermigua, Agulo und Vallehermoso befinden, weist ein sehr beständiges Wetter auf, das sich durch gemäßigte Temperaturen und mittlere Luftfeuchtigkeit auszeichnet, die durch Passatwinde verursacht werden. Diese Winde versorgen die bestehende Vegetation, die sich zum Großteil im Garajonay-Nationalpark in den höheren Lagen der drei Gemeinden befindet, mit einem feinen Tau. Ganz anders der Süden der Insel, der auf der Leeseite höhere Temperaturen, weniger Luftfeuchtigkeit und kargere Vegetation in einem Gebiet mit den Gemeinden San Sebastián, Alajero und Valle Gran Rey bietet. In den beiden Letzteren befinden sich gleichzeitig die größten Touristikzentren der Insel.
Traditionell basiert die Wirtschaft von La Gomera auf der Landwirtschaft, von der sich der Großteil der Anbauflächen in den mittleren Höhen sowie in den Tälern und Schluchten befindet, wo vom Wasser und der Feuchtigkeit profitiert werden kann. Vorgegeben durch die Orographie der Insel haben die Einwohner seit der Kolonialisierung Landwirtschaft in der Terassenanbauweise betrieben, wozu in den beeindruckenden Abhängen Mauern aus Stein errichtet wurden, um kultivierbare Flächen zu schaffen. Der Anbau variierte seit dem 18. Jahrhundert, als Rohrzucker exportiert wurde, dem der Rang von der Tomate abgelaufen wurde, die sich seit neuestem von der Banane verdrängt sieht, die weiterhin das wichtigste Exportgut darstellt. Darüber hinaus werden auf der Insel Mais und Kartoffeln, weitestgehend für den Eigenbedarf angebaut. Weiterhin existiert auf der Insel eine alte Weinanbau-Tradition, derzeit gibt es verschiedene Weinbauern, die ihre Weine abfüllen und vermarkten. Sie haben sich in der Cooperativa Insular zusammengeschlossen, die sich in Vallehermoso befindet, und in der der größte Anteil der Weine abgefüllt wird.
Ein Produkt, das über Generationen bis heute entwickelt und verändert wurde, ist der Palmenhonig, der aus der Sabia der Palme hergestellt wird. Rein pflanzlich wird die Flüssigkeit, die gewonnen wird, in einen dickflüssigen süßen Saft umgewandelt, der Ähnlichkeit mit einem Sirup für Bonbons hat. Er dient als grundlegende Zutat im Konditoreiwesen.
Es ist wenig über die Geschichte dieser kleinen Insel vor der Ankunft von Juan de Bethencourt bekannt, der unter spanischem Befehl die Eroberung der Insel zu Beginn des 15. Jahrhunderts begann. Auf Grund der schlechten Behandlung, die die Eingeborenen erfuhren, veränderte sich ihr Verhalten gegenüber ihren Gästen, und was zunächst wie ein friedliches Zusammenleben aussah, entwickelte sich Mitte des Jahrhunderts zu blutigen Aufständen. La Gomera spielte eine entscheidende und wichtige Rolle bei der Eroberung Amerikas. Von der Insel brach der Admiral Christoph Kolumbus am 6. September 1492 in die neue Welt auf, mit Proviant und Wasser versorgt.
Die Silbo-Sprache, die prähispanischen Ursprungs ist, ist eine Kommunikationsform, die aus der Notwendigkeit entstanden ist, dass die Bevölkerung von La Gomera über Täler, Schluchten und Gebirge miteinander kommunizieren wollten, ohne große Standortveränderungen vornehmen zu müssen. Sie besteht darin, dass Silben unter Zuhilfenahme der Finger gepfiffen werden. In der heutigen Zeit gibt es nur noch sehr wenige Personen, die diese Tradition pflegen, obwohl einige Schulen das Erlernen dieser Sprache in ihren Lehrplan aufgenommen haben.
Die Architektur der Wohnhäuser weicht nur unwesentlich von der der anderen Inseln ab und weist zwei Arten von Wohnungen aus, die sich durch ihren Grundriss, ihre Baumittel und ihren Verwendungszweck unterscheiden. In den städtischen Gebieten sind die Häuser zweigeschossig und haben einen Eingang, der von einem Patio oder einer Vorhalle gebildet wird. Die Bauweise ist um einen Innenhof ausgelegt, um den die Wohnräume angeordnet sind, und im hinteren Teil des Grundstücks befindet sich ein kleiner Obst- und Gemüsegarten. Die Häuser in den ländlichen Gebieten sind Bestandteil der landwirtschaftlichen Betriebe, sie befinden sich in der Nähe der Zufahrten und sind meistens aus Naturmaterialien wie Lehm, Stein, Kiefern- und Teakholz erbaut.
Die Immigration der Bevölkerung und die Aufgabe der Landwirtschaft hat zu einem Funktionsverlust dieser Häuser geführt. Doch obwohl sie ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen, haben sie seit einigen Jahren auf Grund von neuen Verwendungsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung gewonnen, was durch die Entstehung einer alternativen Tourismusform, die auf dem ländlichen Tourismus basiert, und durch die Verwendung durch Ausländer als zweiten Wohnsitz ausgelöst wurde.
Die Geschichte und Kultur von La Gomera weisen uralte Aspekte auf, Zeichen eines Volkes voller Tradition. Die Folklore ist einer dieser Aspekte, da ihre Anfänge auf das 15.-16. Jahrhundert zurückgehen. Sie basiert auf Bänkelgesang, der von Musik der Chacara, einem Holzinstrument, das seinen Ursprung auf der Insel hat und einer großen Kastagnette ähnelt, und der Trommel begleitet wird. Der Gesang wird wiederum von einem Tanz begleitet, in dem sich die Tänzer in zwei Reihen gegenüber stehen. Durch Aufsetzen von Hacke oder Fußspitze des einen oder des anderen Fußes bewegen sich die Tänzer vorwärts oder rückwärts und finden sich je nach Aussage des Tanzes dabei zu Paaren zusammen.
Das Kunsthandwerk ist ein weiterer Aspekt der Insel, das seit seiner Entstehung zu Zeiten der Ureinwohner keine großen Veränderungen erfahren hat. Vielfältig und funktional hebt sich das Keramikhandwerk hervor, in dem ohne Töpferscheibe arbeitet wird, mit Lehm, Sand und Roterde, Materialien, die hauptsächlich in den mittleren Zonen zu finden sind und die zu wunderschönen Wasserkrügen, Milchtöpfe und Pfannen verarbeitet werden. Als Verwertung für Stoffreste werden auf komplexen Holzwebstühlen die sogenannte „Traperas“ - ähnlich wie Teppiche - aus Stoffstreifen und Faden hergestellt, die dann außerdem zu Kissen, Decken, Rucksäcken oder Taschen weiterverarbeitet werden können, je nach Dicke und Festigkeit des Stoffes.
In der Holzverarbeitung wird hauptsächlich Maulbeere, Kastanie und Nussbaum verarbeitet, sowie Knüppelholz und Vinatigo, die im Laurasilva vorkommen. Aus ihnen werden Küchenutensilien, wie Mörser, aber auch Musikinstrumente wie Chacaras oder Trommeln gefertigt.
Die Palme, die Rotangpalme, der Bambus, die Banane und Zuckerrohr sind weitere pflanzliche Materialien, die zur Herstellung von Körben, Hüten und Schalen etc. verwendet werden. Im Vergleich mit den restlichen Inseln, weist die Küche von La Gomera Spezialitäten unter ihren Gerichten auf, wie z.B. Jamswurzeleintopf, Fisch in gedünstetem Mojo, Almogorte und gomerianischen Kaviar. Natürlich sollen auch die Desert-Spezialitäten nicht unterschlagen werden, wie z. B. Quarktorten, Vilana-Torten, Milchkrapfen, Gofio-Bälle mit Palmenhonig, Mandelgebäck und Butterkekse.
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